Lernzeit


Da ein hohes Niveau an sprachlicher Bildung die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Bildungsabschlüsse darstellt, wurde festgelegt, die Lernzeit für alle Schüler*innen ab dem Schuljahr 2014/15 so zu gestalten, dass die sprachliche Bildung im Vordergrund steht. Die Lernzeit wird in den Klassen 5 und 6 in zwei Einzelstunden pro Woche unterrichtet. Allerdings geschieht dies nicht in differenzierten, für die Schüler*innen oft verwirrenden, Lernarrangements, sondern im Klassenverbund (mit Ausnahme der LRS-Lernzeit), was neben dem Vorteil des für die Schüleri*nnen bekannten, vertrauten Rahmens in einer Stärkung der Klassengemeinschaft resultieren kann.


Die Lernzeit im 5. und 6. Jahrgang an unserer Schule - kurz und knapp






Operatoren in der Lernzeit

Eine mögliche, und immer wieder beschriebene Ursache dafür, dass Aufgaben nicht bearbeitet werden können liegt darin, dass Aufgabenstellungen von Schüler*innen oft nicht oder nur unzureichend verstanden werden. Dieser Sachverhalt soll hier aufgegriffen werden und verdeutlicht auch das Prinzip der Durchgängigen Sprachbildung, denn die Operatoren kommen in unterschiedlichen Klassenstufen und Fächern vor und müssen zum Unterrichtsgegenstand gemacht werden.
Konkret heißt dies,
  • Operatoren als Wortschatz einführen,
  • spielerisch das Verständnis der Bedeutung von Operatoren sichern und festigen,
  • auf die flexible Anwendung von Operatoren vorbereiten.

Operatoren sind Teil der Bildungssprache, an die Schüler*innen schrittweise herangeführt werden müssen. Aus diesem Grund werden ihnen in den vorliegenden Materialien oft umgangssprachliche Umschreibungen bereitgestellt, über die sie sich dem Erwerb der Bildungssprache annähern können.


LRS-Förderung im Rahmen der Lernzeit (im 5. und 6. Schuljahr)

Die Beherrschung der Schriftsprache ist eine Schlüsselqualifikation für die Aneignung von Wissen und Bildung und dies weit über die schulische Laufbahn hinaus.

Um Kindern, die besondere Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben haben, gezielt fördern zu können, gibt es seit zwei Jahren im Rahmen der in den Jahrgangstufen 5 und 6 stattfindenden Lernzeit eine LRS-Gruppe. Dabei handelt es sich in beiden Jahrgangstufen um eine Kleingruppe, bestehend aus etwa fünf bis zehn Schüler*innen, die eine ärztliche LRS-Diagnostik vorweisen können.
Der Unterricht gliedert sich in Module, die jeweils an ein orthographisches oder grammatikalisches Thema angelehnt sind (z.B. Groß-/Kleinschreibung, Wortarten, dass/das usw.). Um die Lernmotivation der Kinder zu erhöhen, stehen beim Verfassen eigener Texte kreative Schreibaufgaben im Mittelpunkt. Leseübungen finden unter anderem in der Schülerbücherei statt, sodass jedes Kind die Möglichkeit erhält, Lesetexte nach seinen Vorlieben auszuwählen. Neben den genannten Bausteinen beinhaltet jedes Modul ebenfalls Übungen zur Konzentration sowie motorische Übungen, die je nach Bedarf eingesetzt werden, um das Schriftbild zu verbessern.
Der Unterricht in einer Kleingruppe erlaubt eine besonders intensive Betreuung jedes einzelnen Kindes, sodass sehr individuell gearbeitet werden kann. Außerdem wird in verstärktem Maße von kooperativen Lernmethoden Gebrauch gemacht. Im nächsten Abschnitt wird dies an einem Beispiel deutlich.
Genauso wie in den anderen Lernzeitgruppen schreiben die Schüler*innen dieser Gruppe ihre Texte auch in ein Schreibbuch. Anders ist jedoch, dass die darin verfassten Texte immer auch von den übrigen Kindern gelesen werden dürfen. Sehr häufig dienen sie als Textgrundlage für Schreibkonferenzen, die unter bestimmten und vorab festgelegten Gesichtspunkten durchgeführt werden.
Bei den motorischen Übungen geht es vor allem um die Optimierung des Schriftbildes (u.a. Stifthaltung) sowie um die Ermittlung eines passenden Schreibgerätes (u.a. Füller/Feder, Tintenroller). Bei letzterem Aspekt arbeiten wir eng mit den Eltern zusammen. Ebenso findet eine genaue Betrachtung des Schriftbildes unter dem Blickwinkel der für das jeweilige am besten umsetzbaren Schriftart (Druckschrift, Schreibschrift) statt.
Häufig lässt sich zu Beginn der Klasse 5 feststellen, dass Kinder mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben durch zahlreiche Misserfolgserlebnisse die Lust am Schreiben vollständig oder zumindest in Teilen verloren haben. Durch kreative Schreibanlässe (z.B. Reizwortgeschichten) lässt sich diese Lernhemmung erfahrungsgemäß deutlich abschwächen.
Großen Wert legen wir darauf, den Kindern Ängste vor bevorstehenden Klassenarbeiten und Tests zu nehmen, indem sie Regeln zur Überarbeitung ihrer Schreibprodukte an die Hand bekommen (Rechtschreiblotse, siehe Anhang). Dieser wird je nach Kind und Klassenstufe vom Umfang her modifiziert.


Die Lernzeit im 10. Schuljahr

Die Lernzeit im 10. Jahrgang ist, im Gegensatz zu den Klassen 5 und 6, fachspezifisch orientiert und findet in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathe statt, da diese von größter Bedeutung für den Schulabschluss sind. Auf Empfehlung der Fachlehrer*innen besuchen diejenigen Schüler*innen diesen einstündigen Kurs für mindestens ein Halbjahr, die von ihrer Abschluss Prognose einen FOR-Q erreichen können, wenn sie sich um eine Note verbessern, oder wenn sie in einem G-Kurs sind und die Anschlussmöglichkeiten für die Sekundarstufe II erleichtert werden sollen. Die kompetenzorientierten Kurse vermitteln fachspezifische Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sowohl eine gute Vorbereitung auf die ZP10 sind, als auch den Einstieg in die gymnasiale Oberstufe erleichtern.


DaZ und Seiteneinsteiger

Ob junge Menschen sich bilden können und Erfolg im Leben haben, hängt davon ab, ob sie das, was sie lernen sollen und wollen, sowohl inhaltlich als auch sprachlich verstehen können. Kinder, die zu Hause wenig oder gar nicht Deutsch sprechen, oder die Sprache nie richtig erlernt haben, kommen zwar im Alltag oft gut zu Recht, doch in der Schule können die im Unterricht verwendete Bildungssprache und die Fachsprachen in den Unterrichtsfächern vor allem im Schriftlichen zu einer hohen Hürde werden.
Die Willy-Brandt-Gesamtschule beschäftigte sich aufgrund aktueller Geschehnisse in der Welt, die großen Einfluss auf Deutschland haben, von Anfang an mit der Flüchtlings-Thematik und reagierte direkt, um die sogenannten Seiteneinsteiger schnellstmöglich zu integrieren. Um eine gelungene Integration zu gewährleisten ist es zum einen notwendig, dass die Schüler*innen schnellstmöglich die deutsche Sprache lernen, um kommunizieren zu können. Zum anderen ist es allerdings für diese Kinder und Jugendlichen, die in ihrer Vergangenheit oftmals traumatische Erfahrungen gemacht haben, wichtig, neue Freunde zu gewinnen.
Die genannten Aspekte resultierten in der Entscheidung, die Seiteneinsteiger ihrem Alter entsprechend Regelklassen zuzuweisen. In diesen Klassen nehmen die Schüler*innen am Unterricht teil. Die Teilnahme an Fächern wie Sport und Kunst ist für die Kinder und Jugendlichen weitestgehend unproblematisch, da häufig praktisch gearbeitet wird. In den ersten vier Stunden jeden Tages nehmen sie jedoch am Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ (DAZ) teil. Diese Stunden werden von Kolleg*innen der Willy-Brandt-Gesamtschule in Kooperation mit der IFAK ((8 Std) gestaltet. Dabei findet eine Differenzierung in Anfänger, welche zum Teil noch nicht alphabetisiert sind, und in Fortgeschrittene statt, so dass der Unterricht stets in Kleingruppen durchgeführt werden kann. Der DAZ-Unterricht hat an der Willy-Brandt-Gesamtschule einen sehr hohen Stellenwert, da sprachliche Bildung für den zukünftigen Schulerfolg der Seiteneinsteiger unabdingbar ist. Aus diesem Grund wurde ein Sprachenraum eingerichtet, welcher Materialien zum Erlernen der Sprache bereitstellt und nur für den DAZ-Unterricht genutzt wird. Die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in dem Raum wohl, da sie wissen, dass es „ihr“ Raum ist und nutzen die bereitgestellten Materialien gerne.